Den Blick für das Wesentliche schärfen

Arbeit hat in unserer Gesellschaft und für uns alle einen wichtigen Einfluss auf das Selbstwertgefühl. Durch sie definieren wir uns, sie gibt uns Anerkennung, sichert die Existenz und ermöglicht eine individuelle Lebensgestaltung. Nun scheint es aber weniger dieser Art von Arbeit zu geben. Als Folge verlieren Menschen mit grossem Wissens- und Kompetenzschatz ihre Arbeit. Vielleicht haben die bisher praktizierten Arbeitsformen im Leben von Führungsverantwortlichen zu viel Raum eingenommen - dies auf Kosten anderer Werte. Nach einer Freistellung stehen Führungskräfte plötzlich vor irritierenden Fragen: Welchen Wert hatten eigentlich mein Engagement und die Loyalität, die ich meinem Arbeitgeber entgegen brachte? Haben sich die unzähligen Überstunden, die zu Lasten meiner Familie gingen, wirklich gelohnt? Oder will ich künftig mehr Zeit mit meiner Partnerin und meinen Kindern verbringen? Welches sind wirklich meine Stärken, Fähigkeiten und Talente?

Wer innerhalb kurzer Zeit eine Kader-Position verlassen muss, büsst schnell an Selbstwert ein. Bleibt die Jobsuche erfolglos, stellen sich bald Gefühle von Ohnmacht und Verzweiflung ein. Die Existenzsicherung ist gefährdet. Alle Werte, die bis anhin Gültigkeit und Bedeutung hatten, scheinen in sich zu zerfallen. Ein allgemeiner Wertezerfall ist jedoch nicht fest zu stellen. Statt dessen ein Wertepluralismus und ein Wertewandel. Aus der Vielfalt an Werten können wir nach wie vor auf Freiheit, Würde, Respekt, Vertrauen, Verantwortung, Zuverlässigkeit, Mitmenschlichkeit, Versöhnung, Achtsamkeit bauen. Die vorhandene Fülle bedeutet aber auch, dass wir uns individuell entscheiden müssen, welchen Werten wir uns verpflichten wollen. Daraus entstehen Spannungsfelder zu den Mitmenschen. Gerade diese Auseinandersetzung mit Vertretern anderer Wertesysteme stärkt aber das eigene Wertebewusstsein. Werte-Entwicklung wird möglich.

Im Rahmen meiner Ausbildung in Wertemoderation© bei Heidemarie Langer, Unternehmensberaterin und Begründerin von "House of Global Values", habe ich Möglichkeiten und Potenziale erfahren, die freigesetzt werden, wenn wir unser persönliches Wertesystem (wieder) entdecken und wertschätzen lernen. In der Folge nehmen Souveränität, Stabilität und das Selbstwertgefühl zu. "Werte-Systeme sind tragende Lebenskriterien, die Zielfindung, Entscheidung und Handlung häufig unbewusst lenken. Bewusst gemacht begünstigen sie verantwortungsvolle Entscheidungsfindungen." postuliert Langer. Ob bewusst oder unbewusst, Werte lenken unser Handeln. Oft nehmen wir die Existenz unserer Werte erst dann bewusst wahr, wenn sie bedroht sind. In der zwischenmenschlichen Kommunikation sind Werte häufig unausgesprochen, ungehört und unsichtbar.

Schaffen wir also Raum für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Fragen, die sich uns über kurz oder lang stellen werden: Was ist mir wirklich wichtig? Welche Werte stehen für mich im Zentrum? Wovon brauche ich wie viel? Wie schütze ich mich, wenn meine Werte bedroht sind? Ein unfreiwilliges Time-out wird so zur Chance, um den Blick für das Wesentliche zu schärfen. Oder noch besser: Tauschen wir uns mit Anderen in ähnlichen Situationen aus, statt uns in die eigenen vier Wände zurück zu ziehen. In diesem Rahmen können auch die familiären und finanziellen Veränderungen thematisiert werden. Menschen, die sich darüber verständigen, was ihnen im Lebens- und Arbeitskontext wichtig ist, motivieren sich gegenseitig zu verantwortungsvoller Gestaltung ihrer Zukunft. Sie definieren und kultivieren zukunftsweisende Werte wie beispielsweise Toleranz, Offenheit, Kooperation und Fairness. Möglicherweise entstehen aus diesem Diskurs veränderte Arbeitsmodelle. Innovative Unternehmen suchen den Kontakt zu genau diesen Männern und Frauen, ihren Visionen und Wünschen, ihrem Wissensschatz und ihrer Sozialkompetenz. Mutige und kreative Querdenker sind letztlich die Garantie dafür, dass zeitgemässe und flexible Arbeitszeitmodelle gelebt und neue Ideen Realität werden. Es ist daher wichtig, dass sich Führungskräfte die entlassen oder freigestellt wurden, neben dem harten Tagesgeschäft der Stellensuche auch den Luxus der persönlichen Standortbestimmung leisten.

Packen Sie die Koffer oder den Rucksack. Fahren Sie ein paar Tage in die Berge und führen mit Gleichgesinnten die Debatte über die Prioritäten, die in Ihren unterschiedlichen Lebenssituationen gelten sollen. Denn sobald sich Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammen finden, um mit verschiedenen Perspektiven ein Problem zu beleuchten, steigt die Zahl der kreativen Lösungsmöglichkeiten. Entwickeln Sie auf dieser Basis Ihre eigenen Visionen und leiten Sie davon Ihre zukünftigen Aufgaben ab. Nutzen Sie Ihr Können, Ihr Wissen, die Erfahrung und kreieren Sie zukunftstaugliche Perspektiven. Stellen Sie sich als Mensch mit Ihren einzigartigen Stärken ins Zentrum und (er-)finden Sie dadurch Ihr ganz persönliches Wertesystem.

Angaben zur Verfasserin: Monica Strickler-Maurer
Lösungsorientiertes Coaching, Erwachsenenbilderin SVEB-Zertifikat 1 und Ausbilderin in der beruflichen Aus- und Weiterbildung mit Schwerpunkt Persönlichkeits-, Teamentwicklung, Teamkultur und Kommunikation

aktuelle Weiterbildungs-Angebote:

Modul 1 Werte-Werkstatt: "Das persönliche Werte-System - der innere Wegweiser"

Modul 2 Kommunikations-Werkstatt: "Ich-du-wir - das Zusammenspiel der Werte-Systeme"

Modul 3 Erfinder-Werkstatt: "Von der Vision zur Aufgabe"

(Je dreitägige Seminare im ehemaligen Kloster Kappel a. A.)

Angaben zu Heidemarie Langer, M.A. Hamburg, Beraterin und Ausbilderin in Werte-Moderation© und Begründerin von the house of global values® www.heidemarie-langer.de